: come and relax!

Rede über Charles Wilp
Galerie W, Osnabrück

Guten Abend sehr geehrte Damen und Herren, liebe Frau Wulf, liebe Frau und Herr Heydt.

Wir, Uwe J. Haack und ich, freuen uns sehr, heute Abend mit Ihnen über Charles Wilp reden zu können.

Das ist in Anbetracht der Irrungen und Wirrungen um das Erbe von Charles Wilp nicht selbstverständlich. Ihre beeindruckende Initiative, liebe Frau Wulf, die außerordentliche Heydt-Sammlung hier zum letzten Mal geschlossen auszustellen, verdient allen Respekt; und dafür möchte ich Ihnen, auch im Namen aller Wilp-Anhänger, meinen verbindlichsten Dank aussprechen.

Wenn ich über Charles Wilp rede, dann rede ich in gewisser Weise gleichzeitig mit ihm. Denn er ist in meiner Vorstellung nach wie vor präsent, als Lehrer und Ratgeber, Freund und Wegbegleiter. Deshalb bitte ich sie, alles was ich sage, rein subjektiv zu werten. Andere haben andere Erfahrungen mit dem Menschen und Künstler Charles Wilp gemacht und kommen möglicherweise zu anderen Schlussfolgerungen.

Niemand wusste das besser, als Charles selbst. Kurz vor seinem Tod sagte er: „Die Leute werden mir alles verzeihen, was sie über mich gehört haben!“ Das war und ist für mich eine überwältigende Voraussicht, auch voller schöner Demut gegenüber dem eigenen Leben und Wirken.

Für Charles Wilp waren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wie auf einem endlosen Gedankenfeld angeordnet. Wenn ich montags in sein Studio kam, begrüßte er mich oft mit den Worten: „Raymund, es ist schon wieder Freitag!“ Zudem ermahnte er mich ständig: „Du musst eins vor dem anderen denken!“

Charles konnte problemlos die Zukunft imaginieren. Gleichzeitig stand er permanent in Kontakt mit den großen und wichtigen Meistern der Kunstgeschichte. Er unterhielt sich auch laut mit ihnen, meist während der Abenddämmerung, in der blauen Stunde, für ihn die beruhigendste Zeit des Tages, die er sich freihielt, wann und wo immer er konnte, und meistens waren seine beiden besten Freunde Joseph und Yves Klein dabei…

Er legte übrigens großen Wert darauf, dass er in einem Studio arbeitete und nicht etwa in einem Atelier. Denn in Ateliers würde immer nur alte „Dachlattenkunst“ gebaut und das, obwohl die großen, künstlerischen Errungenschaften in diesem Fach schon längst vollbracht worden seien. Er verspottete die zahlreichen, hochpreisigen Werke der zeitgenössischer Malerfürsten als „die Kopie, der Kopie, der Kopie…!“ Die Malerei mit Öl auf Leinwand hatte für ihn ausschließlich in der Krankentherapie ihre Daseinsberechtigung.

Denn seit Menschengedenken wird neue und fortschrittliche Kunst immer nur mit neuen Materialien und in neuen, zeitgemäßen, künstlerischen Techniken geschaffen. Und in der Tat, ein Stück SpaceArt, gemalt in Öl auf Leinwand, wirkt auf uns heute genauso unangemessen und kitschig, wie, sagen wir, die Steinskulptur von einem Auto.

Nur die Art und Weise, wie ein Künstler etwas macht, entscheidet über Wert und Unwert eines Kunstwerkes. Mit dieser Ansicht sah er sich durchaus in der Tradition der großen Meister. Er sagte: Hätte Albrecht Dürer einen Fotoapparat gehabt, hätte er nicht gemalt. Albrecht Dürer war für ihn ein Vorläufer der Fotografie, ebenso wie Frans Hals die Kinoplakatmalerei der 50er- und 60er-Jahre vorweggenommen hat, oder Edouard Manet, mit seiner Tiefenschärfemalerei, die Erfindung der Autofokuskamera und Andy Warhol den Laser-Farbkopierer. Die Kunstgeschichte, auch die der Moderne, betrachtet mit den Augen und Einsichten von Charles Wilp, wird uns garantiert zu ganz neuen Erkenntnissen verhelfen.

comeandrelax©raymundheller

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come and relax, © Raymund Heller/cxc 2000X4

Ich habe Ihnen dieses kleine, unbekannte Porträt von Charles Wilp mitgebracht. Das signierte er seinerzeit, schon vom Krebs gezeichnet, mit der Zeile „come and relax!“

Charles verband mit diesem einfachen Werbespruch aus den Sixties eine Aufforderung an uns alle zum Betrachten seiner Werke und zur Kunstbetrachtung überhaupt. Nur mit einem klaren und ruhigen Gemüt, erhält unser Unterbewusstsein die Möglichkeit, sich zu betätigen, oder um es mit Charles zu sagen, erst dann wird der Betrachter empfänglich für die kosmischen Einwirkungen, die in seinen Werken verborgen sind.

Vielen herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Raymund Heller, Düsseldorf | 17.05.2018

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foto .credit :
come and relax, © Raymund Heller/cxc 2000X4

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