: Archaische Hybriden

|      Nothing true at all, but everything you see exists.
LUDWIG RAUCH bietet mit seiner aktuellen Ausstellung
LIMITED SUPPLY ONLY mehr als ein eingeschränktes Angebot,
sich auf seine fiktionalen Bildgeschichten einzulassen.

Volkano_Rauch

Ludwig Rauch lässt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten in spielerisch, neugieriger Weise auf die Synergie zwischen Malerei und Fotografie ein,
betrachtet den aus Konstruktion, Rekonstruktion, Überlagerungen und Überbelichtungen geschaffenen Raum als individuellen Dialog zur Grenzüberschreitung seines klassisch erlernten Umgangs mit der Fotografie.

Die Grenzen der Fotografie sprengen wollten auch die Berliner Kunstwissenschaftler Ralf Herzig und Fotohistoriker Ulrich Domröse mit der Gründung der Fotogalerie am Helsingforser Platz vor 35 Jahren. Der nun dort ausstellende Fotograf Ludwig Rauch, 1960 in Leipzig geboren, hatte zu dieser Zeit in der damaligen DDR Veröffentlichungsverbot und verliess kurz vor dem Mauerfall den sich auflösenden deutsch-demokratischen Teil der Doppelrepublik nach West-Berlin.

Entzogen sich seine frühen Fotoarbeiten der real-sozialistischen Wertschöpfungsideologie des ZK, provozieren die kontemplativen Reflexionen seiner aktuellen Arbeiten Fragen nach den Grenzen zwischen Fotografie und Malerei, Original und Reproduktion, Analog und Digital. Die hybride Bildsprache wird technisch hinterfragt denn als medienimmanente Möglichkeit empfunden. Verdachtsunabhängig animiert nach 180 Jahren Fotogeschichte in jedem Mobiltelefon eine ’camera.app’ zur Fotonotiz. Rauchs fiktionale Erzählungen sind authentische Emotionen, die weder analysieren noch erklären, gehen auf die suggestiven Ursprünge zurück. Seine subjektive Sicht entspricht dem wichtigsten Aspekt Bildender Kunst oder der Literatur: Aufbruch in das bis dahin Unbekannte und die Entfaltung einer individuellen Einbildungskraft.

Es entstehen Parallelbilder, ’Bilder nämlich, welche, losgebrochen aus allen früheren Zusammenhängen, als Kostbarkeiten in den nüchternen Gemächern unserer späten Einsicht … stehen’ wie das Walter Benjamin beschrieben hat. Ludwig Rauch hat aufgehört, die Wirklichkeit zu reproduzieren, im innigen Zusammenspiel fotografischer Augenblicklichkeiten schafft er Filmbilder, die in der Dauer atmen. Sequenzen einer individuellen Wahrheit,
sinnlich, nachdenklich, irreal, archaisch.

Ludwig Rauch
arbeitet in Berlin als Fotograf
und lehrt an der
Ostkreuzschule für Fotografie
ludwig-rauch.com

LIMITED SUPPLY ONLY bis 12.2.2020
Fotogalerie Friedrichshain, Berlin
fotogalerie.berlin

credits
| Walter Benjamin, Ausgraben und Erinnern, 1932
| image : Volcano, Ludwig Rauch 2019

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